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Die Basler Museumskrise

Ein Kommentar von Markus Vogt

Das Historische Museum Basel, eines der fünf staatlichen Museen des Kantons Basel-Stadt, sorgt seit Jahren für Schlagzeilen. Für negative Schlagzeilen, sowohl wegen notorischer Schwierigkeiten, ein Budget aufzustellen und zu verwalten, als auch wegen Querelen zwischen der Museumsleitung und der vorgesetzten politischen Behörde, dem Präsidialdepartement, und auch innerhalb der Museumsleitung. Das Museum war unter der Leitung von Direktorin Marie-Paule Jungblut nahe an den finanziellen Abgrund gefahren worden, was beängstigend lange niemand gemerkt hatte. Die als grosse Hoffnung eingestellte Direktorin hinterliess ein finanzielles Chaos und tiefrote Zahlen.
Wer immer der Nachfolger sein würde: Er traf ein desolates Haus an, mit zutiefst verunsicherten Mitarbeitenden sowie verärgerten und ratlosen Behörden. Marc Fehlmann, der am 1. Juni 2017 übernahm, fiel die Aufgabe zu, die Scherben zusammen zu kehren und das Museum wieder in ruhige Bahnen zu lenken, was ihm zunächst auch zu gelingen schien.
Das an verschiedenen Standorten ansässige Museum – der bekannteste ist die Barfüsserkirche in der Innenstadt – ist schliesslich nicht irgendeine Institution. Hier geht es nicht zuletzt um das Ansehen des Kantons, um sehr viel Prestige auch. Dass der neue Mann sich nicht darauf beschränken konnte, die Wellen an der administrativen Front zu glätten, war auch klar, und ebenso, dass er so rasch wie möglich versuchen würde, dem Museum auch inhaltliche Impulse zu geben. Also aufräumen mit der Vergangenheit und neu positionieren für die Zukunft. Beides war nicht gratis zu haben, und dazu kommt, dass der Kanton noch immer nicht über eine über jeden Zweifel erhabene Museumsstrategie verfügt. Immerhin wurden Betriebsanalysen in Auftrag gegeben; diejenige für das Historische Museum liegt seit dem September 2019 vor. Wonach sollte sich der neue Direktor nun richten?
Der Krach ging von neuem los. Als die Betriebsanalyse vorgestellt wurde, liess Direktor Fehlmann verlauten, im Museum seien nicht alle Exponate «konkret lokalisierbar», was von der «Basler Zeitung» so interpretiert wurde, dass Ausstellungsstücke nicht auffindbar seien. Mehrere Kadermitarbeitende widersprachen dem Direktor öffentlich, Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann verordnete ihm einen Maulkorb, und schliesslich verlautete, dass Fehlmann bis Ende Jahr krankgeschrieben sei. Anfang Januar 2020 meldete die «Basler Zeitung», der Direktor sei zwar seit Mitte Dezember wieder einsatzfähig, doch er befinde sich nicht am Arbeitsplatz (es hiess unter anderem, die Angestellten des Museums suchten ihren Direktor), was auf ein tiefes Zerwürfnis zwischen Ackermann und Fehlmann schliessen liess. Dann die Meldung am 15. Januar, der Museumsdirektor und die Regierungspräsidentin hätten den Streit beigelegt. Der Mann arbeitet wieder, aber die Probleme dürften mitnichten gelöst sein.
Museumsdirektoren sind keine gewöhnlichen Menschen, sondern in aller Regel Primadonnen. In einer Museumsstadt wie Basel erträgt es keinen Durchschnitt, und weil von den Museumsleitern nicht wenig erwartet wird, müssen es stets die Besten sein, was meistens auch heisst, dass sie auch die teuersten sind. Diese Leute sind kreative Menschen und nicht gewohnt, dass ihnen eine Behörde dreinredet und sagt, wie ein Museum zu führen ist.
Die Vorsteherin des Präsidialdepartements ist auf der anderen Seite auch nicht zu beneiden. Das Geld für den Museumsbetrieb kommt nicht allein vom Staat, sondern auch von bekannten oder stillen Mäzenen, die ihre Vertreter in den Museumskommissionen sitzen haben. Diese sind in der Regel auch die Fans der Museumsdirektoren, ihr Wort hat Gewicht, und das macht es für Elisabeth Ackermann alles andere als einfach. Wer zahlt, befiehlt, heisst es oft; doch weil nicht der Staat allein bezahlt, befehlen eben auch andere mit.
Eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) braucht es in diesem Fall wohl nicht. Doch dringend geboten ist eine tiefgreifende Analyse zur Basler Museumslandschaft. Dabei muss das Parlament die Initiative ergreifen. Insbesondere muss die Frage geklärt werden, welche Organisationsform für die fünf staatlichen Museen die beste ist. Diese Museen – neben dem Historischen Museum sind dies das Kunstmuseum, das Antikenmuseum, das Museum der Kulturen und das Naturhistorische Museum – sollten nicht mehr Verwaltungseinheiten des Kantons sein, sondern in Stiftungen umgewandelt werden, lautet ein Vorschlag. Eine Art Ausgliederung also. Warum nicht?

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