free amp template

Die Lokal-Zeitung für Kleinbasel, Riehen und Bettingen

Der Tourismus versucht, sich wieder aufzurappeln

Basel Tourismus hat die Zeit des Stillstands, die Phase des Lockdowns, einigermassen gut überstanden. Die touristischen Aktivitäten kamen zwar weltweit zum Erliegen, doch den Touristikern ging die Arbeit deswegen überhaupt nicht aus. Denn nun gilt es, wieder aufzubauen, sagt Tourismusdirektor Daniel Egloff.

Von Markus Vogt 

«Ich habe zwei Herzen in meiner Brust», sagt Daniel Egloff auf die simple Frage, wie es ihm heute gehe. Einerseits hat er das Gefühl, am Ende des Tunnels wieder Licht zu sehen, auch wenn dieses noch ziemlich weit weg ist. «Aber man sieht es», sagt Egloff. Andererseits ist ihm seit Beginn der Krise schon klar, dass man rasch und entschieden handeln muss, um baldmöglichst wieder an die Rekordjahre vor Corona anknüpfen zu können. «Wir waren seit Beginn der Krise am Agieren und hatten eigentlich gar keine Zeit, uns viele Fragen zu stellen», blickt Egloff auf die «tote Zeit» zurück.

Basel Tourismus musste sich auf eine neue Situation einstellen, es gab daher vieles neu zu organisieren. Die Budgets sind neu erstellt, Massnahmen für den Neustart sind eingeleitet, und jetzt habe man endlich ein wenig Zeit, um «durchzuschnaufen». Die Gelegenheit, sich zu fragen, worum es denn nun eigentlich gehe. «Trotz des Lichts, das ich nun sehe, macht mich die ganze Sache doch auch sehr nachdenklich», sagt Daniel Egloff. Denn eine solche Situation hat der erfahrene 49-jährige Touristiker, der seit 2001 als Basler Tourismusdirektor wirkt, auch noch nie erlebt.

Aufmerksam wurden Daniel Egloff und sein Team schon im Januar, als aus Asien die Kunde von dem gefährlichen Virus kam. «Wir merkten relativ rasch, dass da etwas Grösseres auf uns zukam. Spätestens dann, als gemeldet wurde, das Virus sei in Europa angekommen», blickt Egloff zurück. Das Corona-Virus hatte von Anfang an das Potenzial, dem Tourismus zu schaden, doch sowohl das Ausmass als auch das Tempo seiner Ausbreitung habe man unterschätzt, stellt er fest. Damit war er nicht allein, wie sich bald zeigte. Überrumpelt fühlte er sich nicht, denn es war ja nicht so, dass man plötzlich vor einem riesigen Gästeansturm stand. Das Umgekehrte war der Fall: man hatte Gäste, und auf einmal blieben diese aus. Die plötzliche Ruhe war ein «eigenartiges Erlebnis», um es einmal so zu sagen.

Um seine engere Familie machte sich Daniel Egloff wenig Sorgen, am ehesten noch um seine 77-jährige Mutter, «weil sie doch klar zu einer Risikogruppe gehört, bei der es je nach dem um Leben oder Tod gehen könnte». Was ihn sofort umtrieb, war das Geschäft, es galt, sehr rasch Entscheidungen zu treffen. Basel Tourismus, der Hotelier-Verein und weitere mussten rasch abschätzen, was das bedeutete. Wer durfte überhaupt noch reisen? Die Gästeinformation stand im Vordergrund.

Ohne Marketing geht es nicht
Aber es ging auch um die Organisation von Basel Tourismus selbst. Kurzarbeit wurde umgehend angemeldet, auch Home-Office gab es, und die Liquidität galt es sicherzustellen. «Uns ist es gut gelungen, die Kosten zu reduzieren. Das war nötig, damit wir, wenn es wieder aufwärts geht, auch sofort wieder investieren können», beschreibt Egloff die Situation. Man ersuchte beim Kanton um zusätzliche Betriebsmittel. «Als Marketing-Organisation müssen wir den Partnern jetzt helfen, wieder Gäste nach Basel zu holen. Natürlich mussten wir sparen, doch wir konnten unsere Marketing-Aktivitäten nicht einfach einstellen. Denn eine Marketing-Organisation, die kein Marketing macht oder machen kann, braucht es nicht», erklärt er. Allerdings hatte während des Lockdowns auch kaum jemand ein offenes Ohr für eine Marketing-Kampagne. Jetzt sind solche indessen wieder nötiger denn je.
Grundsätzlich folgte man den Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit und ermöglichte den Mitarbeitenden, im Home-­Office zu arbeiten. Sehr geholfen hat dabei, dass Basel Tourismus seinen Betrieb erst vor einem Jahr vollständig digitalisiert hat. Das bedeutet unter anderem, dass sämtliche geschäftsrelevanten Daten in einer Cloud untergebracht und für alle Mitarbeitenden auch von extern zugänglich sind.

Schweizer nach Basel locken
Der Basler Tourismus erlitt einen schmerzhaften Rückschlag, brutal war vor allem der Einbruch der Übernachtungszahlen. Anders als andere Orte in der Schweiz ist Basel eine Destination, die rund zwei Drittel internationale Gäste aufweist – Gäste, die wegen der eingestellten Reisemöglichkeiten gar nicht anreisen konnten. Weiter fehlen all die Gäste, die ans Basel Tattoo gekommen wären, und dazu kam die Absage der beiden internationalen Top-Messen ­Baselworld und Art Basel. Weiter fehlen die Grosskongresse, die nach wie vor nicht gestattet sind, und den Hotels die Möglichkeiten, Bankette auszurichten.

Daniel Egloff glaubt, dass sich der Schweizer Markt als erster erholen wird, also beruhen die Hoffnungen für die kommenden Sommermonate vor allem darauf, dass die Schweizerinnen und Schweizer im eigenen Land Ferien machen. Zusammen mit der Hotellerie wurden deshalb Angebote vorbereitet, welche die Schweizer nach Basel locken sollen, zum Beispiel Wochenendpauschalen, die nicht nur auf die Bereiche Kunst und Kultur ausgerichtet sind. «Jetzt geht es darum, einer breiten Bevölkerung zu sagen, dass Basel verblüffend attraktiv ist», erklärt Egloff. Diese Botschaft richtet sich an Familien, Verliebte, Millenials und weitere.

Bei solchen Bemühungen geht Basel Tourismus davon aus, dass der Schweizer wieder raus will aus seinen vier Wänden, dass er aber nicht unbedingt in Metropolen wie New York oder Paris reisen will, wo U-Bahn-Fahren unvermeidlich ist. Vielmehr wollen die Leute wieder Menschen treffen und flanieren, möglichst auch an einem Ort, wo nicht extremer Massentourismus herrscht. «Basel hat ein wahnsinnig breites Angebot und deshalb durchaus Chancen. Diese wollen wir nutzen», sagt Egloff. Ihm ist bewusst, dass das Loch, das die Covid-19-Pandemie in den Tourismus gerissen hat, nicht allein mit Wochenendbesuchern aus der Schweiz aufgefüllt werden kann, doch es ist immerhin ein Anfang. Ein Beitrag an die Fixkosten eines Hotels, und wenigstens ein bisschen Umsatz.

Lange Durststrecke
Aufmerksam verfolgt Egloff die Hotelbelegung. Hotels, die sich für Freizeittourismus eignen, haben an den Wochenenden bereits wieder eine Auslastung von 50 Prozent und mehr; andere, die eher auf Business- und Kongressgäste fokussiert sind, verzeichnen immer noch eine sehr tiefe Belegung. Auch das Segment der Hotelschiffe leidet, bis Ende Jahr ist praktisch alles abgesagt, erst jetzt werde wieder gebucht für 2021. Auch der Flugverkehr – mit Easy Jet als Beispiel – komme nur langsam wieder in Schwung. Die Tendenz sei sicher positiv, doch es werde ein ganz schwieriges Jahr, meint Egloff. Er richtet sich auf eine lange Durststrecke ein und rechnet damit, dass der Tourismusmarkt noch zwei, drei Jahre zur völligen Erholung benötigt.
Der Tourismusdirektor macht sich auch Gedanken darüber, ob und wie der Staat dem Tourismus unter die Arme greifen kann und soll. Wenn seine Organisation von der öffentlichen Hand zusätzliche finanzielle Unterstützung erhalte, helfe das sicher weiter. Aber: Eine Reiseverunsicherung, wie sie derzeit fast überall herrscht, und Reisebeschränkungen, die es vielenorts noch gibt, könne man nicht einfach mit Marketing vom Tisch wischen. Es müsse auch darüber nachgedacht werden, die Branche mit geeigneten Mitteln zu unterstützen, sie beispielsweise mit Steuererleichterungen zu entlasten, mit dem Ziel, Konkurse abzuwenden. «Dass es auch zu gewissen Anpassungen des Angebots kommen muss, scheint mir unvermeidlich», setzt er dazu. Denn das Angebot richtet sich nach der Nachfrage, und die Nachfrage könne man nicht mit Marketing von null auf hundert treiben. Ob sich die öffentliche Hand in dieser Situation engagieren wolle oder den Markt spielen lassen solle, sei eine politische Frage.

Vom «Staat» ist Egloff positiv überrascht – die Schweiz, die doch immer wieder als behäbig tituliert werde, habe mit hohem Tempo gehandelt. Auch Regierungsrat Christoph Brutschin, zu dessen Dossiers auch der Tourismus gehört, habe unkompliziert, sehr offen und mit einem guten Gespür für die Tourismusbranche reagiert.

Für die nahe Zukunft ist Daniel Egloff vorsichtig. Den Baslerinnen und Baslern rät er, was das Reisen betrifft, die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit zu beachten. Und er hofft, dass sie ihre Bekannten und Freunde aus der Schweiz vielleicht einmal an den Rhein einladen, um ihnen die vielseitige und schöne Stadt zu zeigen. «Diese Stadt bietet wahnsinnig viel. Man braucht nicht an einen überfüllten Ort zu gehen, wir haben hier so viel Gutes», rundet er seinen persönlichen Werbespot ab. Er selbst verbringt seine Ferien in diesem Jahr weitgehend in Basel. 

AKTUELLE AUSGABE

Die aktuelle Ausgabe zum Download oder online lesen

ZEITUNGSARCHIV

Alle bisher erschienenen Ausgaben als PDF zum Download 

TARIFE / ERSCHEINUNG

Unsere Mediadaten zum Download als PDF

VERLAG / ABOSERVICE

Impressum
Haftungsausschluss

© Copyright 2019 Kleinbasler Zeitung - All Rights Reserved