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Die Geschichte der Kaserne Basel

Wohl jeder Besucher des Basel Tattoo wird einmal dieses Gefühl empfunden haben: Wenn die Dunkelheit hereinbricht, die Fackeln angezündet werden und ein Dudelsackpfeifer auf den Zinnen steht, fühlt man sich in die Vergangenheit versetzt und nimmt dieses Gebäude so richtig wahr.

Einst stand auf dem Areal der heutigen Kaserne das Dominikanerinnenkloster Klingental. Das heute noch erhaltene und 1274 entstandene Gebäude am Rhein, im rechten Winkel dem Klingentalweglein folgend, war der eigentliche Gründungsbau, heute das Kleine Klingental genannt. Damals lag dieses noch innerhalb der ersten Stadtmauer, das heisst mit seiner nördlichen, vom Rhein wegführenden Längsseite wurde diese quasi überbaut. 1276 konnte gleich jenseits der Stadtmauer, nördlich des bestehenden Klostergebäudes und des heutigen Klingentalwegleins, ein grösseres Areal erworben, mit Mauern und Türmen befestigt und somit in die Stadtmauer miteinbezogen werden. Fast parallel zum bestehenden Bau wurde zwischen 1278 und 1293 die ungewöhnlich grosse Klosterkirche gebaut, Zeugnis des Reichtums der Klingentaler Nonnen. An deren Nordseite entstand der Kreuzgang mit den Konventsgebäuden, also den Wohnräumen der Nonnen. Auf dem Gelände um dieses Grosse Klingental wuchsen Obstbäume und Reben, dazwischen erstreckten sich grüne Wiesen. Das alte, 1274 errichtete und heute noch bestehende Gebäude, wurde bereits im 13. Jahrhundert zu einem Wohngebäude für die Konversen, also Laienbrüder, umgebaut. Nach der Reformation diente es zeitweilige als Schulhaus, Notspital oder Soldatenunterkunft. 1937/38 erfolgte die grosse Renovation für die Nutzung als «Stadt- und Münstermuseum» sowie Sitz der Kantonalen Denkmalpflege.

Die Stadtgarnison hält Einzug in das ehemalige Kloster
Nach der Reformation 1529 wurden die Klöster aufgehoben und kamen in staatlichen Besitz. Bereits im 17. Jahrhundert zog man im Chor und im Langhaus der Klingentalkirche Böden ein, um sie als Lagerhaus nutzen zu können. Lediglich im Erdgeschoss liess man eine Pfeilerhalle stehen, in der bis 1779 zu bestimmten Anlässen Gottesdienste abgehalten wurden. Der Laienfriedhof südlich der Kirche wurde weiter genutzt.
In die ehemaligen Wohnräume der Nonnen logierte man um 1690 die Stadtgarnison ein, die bis anhin auf Privathaushalte verteilt gewesen waren. Der Ostflügel des Kreuzganges wurde abgebrochen, um den Klostergarten gegen das offene Land hin zu öffnen. Übrigens wurden auch das ehemalige Steinen- und Predigerkloster als Unterkunft für die Stadtgarnison genutzt, später nur noch das Steinenkloster, die sogenannte Blömleinkaserne.
Diese Stadtgarnison war 1621 aus ausländischen Söldnern gebildet worden und zählte je nach politischer Lage zwischen 75 bis 750 Mann. In Friedenszeiten wurden sie für die Bewachung der Tore, Polizeidienste und Patrouillen hinzugezogen. Ihr Leben war hart, sie sprachen dementsprechend reichlich dem Alkohol zu und waren in der Stadt nicht sehr beliebt. Abgesehen von kurzen Intervallen verfügte Basel jedoch, im Gegensatz zu anderen Schweizer Städten, über kein leistungsfähiges, stehendes Heer, trotz seiner exponierten Lage nahe an der Grenze.

Bauliche Anpassungen an den Kasernenbetrieb im
18. und 19. Jahrhundert
Im 18. Jahrhundert nutzte man auch das ehemalige Konventsgebäude vorwiegend als Lagerraum. Im Chor der Kirche, ehemals der heiligste Bereich mit dem Altar, richtete man im Erdgeschoss 1799 den Stall der Kaserne ein und ab 1804 wurde schliesslich der ganze Gebäudekomplex als Kaserne genutzt. Wo einst mehr oder minder, denn die Klingentaler Nonnen waren für ihren eher freizügigen Lebensstil bekannt, fromme Gesänge und Gebete ertönt waren, hallte nun so mancher Fluch und harscher Befehl durch die Räume.
1804 übernahm der Kanton Basel das Klingental offiziell. 1819 /1820 baute man beim heutigen Klingentalgraben, unter Einbezug eines Teils der Stadtmauer, eine neue Reithalle, da die ehemalige in der Niklauskapelle (ehemals Rheingasse 4) abgebrochen worden war. 1825 fanden schliesslich die Pferde im Kirchenschiff eine Unterkunft. 1830 erhielten sie ein neues Stallgebäude anschliessend an die Reithalle. Ein Jahr später zog man im Erdgeschoss des Kirchenlanghauses einen weiteren Boden ein, um ein zusätzliches Stockwerk als Mannschaftsraum zu erhalten. Mittlerweile fanden 500 Personen Platz in der Klingentalkaserne. 1848 kam südlich des Kirchenchores eine Bereiterstallung dazu.
Trotz aller baulichen Veränderungen und Ergänzungen wurde häufig über die hygienischen Bedingungen, der bauliche Zustand sowie Platzmangel in den ehemaligen Klostergebäuden geklagt. Die mit Betten angefüllten, niedrigen Schlafsäle, in denen auch gegessen wurde, seien von der Belüftung und den hygienischen Massstäben her unzumutbar. Darüber hinaus bestand durch die Riegel- und Holzwände Brandgefahr. Nicht mehr tragbar wurden die Zustände, als aufgrund des Neuenburger Handels 1856/57 plötzlich 700 weitere Männer sowie 150 Pferde in die Kaserne aufgenommen werden mussten. Dazu kam die Tatsache, dass die alte Blömleinkaserne abgebrochen werden sollte. Basel musste als Grenzstadt jedoch fähig sein, eine grössere Anzahl an Soldaten aufzunehmen. So beschloss die Basler Regierung 1857, eine neue Kaserne zu errichten.

Eine neue Kaserne, auch zur Entlastung der Bürger
Dieser Entschluss erfüllte wohl manchen Basler Bürger mit Erleichterung, da bisher, je nach politischer Lage, in zahlreichen Haushaltungen Soldaten aufgenommen und verköstigt werden mussten. Manche der Hausgäste erwiesen sich eher als unangenehm und man liest von geleerten Weinkellern und einigen anderen Unannehmlichkeiten. 1855 kam es deswegen zu Protesten. Christoph Merian, der Vater unseres Stadtmäzens, hatte das wunderschöne Haus zum Delphin an der Rittergasse verkauft und den bescheideneren Ernauerhof am St. Alban-Graben, anstelle des heutigen UBS Flügels, erworben und im Hof eine kleine Kaserne errichtet, nur um diesen Einquartierungen zu entgehen. Zudem sprach auch für einen Neubau, dass in einer Kaserne ein Soldat für 1 Franken/Tag verköstigt werden konnte, in Privathaushalten mussten drei bis vier Franken aufgebracht werden.
Das Areal des ehemaligen Klingentalklosters erwies sich, neben Vorschlägen wie das Kornhaus an der Lyss oder das Schällemätteli, als ideal. Massgebend war ein genügend grosser Exerzierplatz. Man schrieb einen nationalen Wettbewerb mit folgenden Auflagen aus: die Kirche, die Reithalle, die 1820 an der Stadtmauer erstellt worden war sowie die daran anschliessenden Stallungen, sollten erhalten bleiben und die südwestliche Seite des Baues gegen den Rhein stehen. Und … es durfte nicht viel kosten.

Ein nationaler Wettbewerb für den Kasernenbau
Um 1860 wurden die ehemaligen Klostergebäude schliesslich abgebrochen. Von den drei Architekten, Carl Ryhiner aus Basel, Ferdinand Stadler aus Zürich, der die Elisabethenkirche entworfen hatte und Johann Jakob Stehlin d. J. machte letzterer das Rennen, zum einen wegen der eher bescheidenen Kosten, zum anderen wegen der optimalen Raumaufteilung. Einige das Stadtbild prägende Bauten wie das Postgebäude, die Basler Mission, die Kunsthalle, das Gerichtsgebäude, das Bernoullianum, der zweite Theaterbau sowie der Musiksaal des Stadtcasinos gehören zu seinem Werk. 600›000 Franken sollte die neue Kaserne kosten und 734 Mann und 161 Pferden Platz bieten. Er schlug eine dreiflügelige Anlage vor, in welche die Kirche an der Nordseite miteinbezogen und abermals umgebaut werden sollte. So nahm er in Wesentlichen wieder den Grundriss des vormaligen Klosters auf. 1861 begann man übrigens mit der Niederlegung der Stadtmauern und der meisten Tore in Basel. 1860 bis 1870 wurde das Gebiet zwischen dem Claraplatz und dem heutigen Messeplatz überbaut, zwischen 1890 und 1900 entstand das Mätthäusquartier.

Ein kostengünstiger Zweckbau mit optimaler Raumaufteilung
1863 war die neue Kaserne vollendet. Für den Neubau hatte Stehlin einen grossen Teil des Abbruchmaterials des Klosters verwendet.
Um den ehemaligen grossen Exerzierhof gruppieren sich die Gebäude als asymmetrisches Hufeisen, im Norden mit der Reithalle und den Stallungen einen deutlich längeren Arm bildend. Der in Stehlins Grundriss eingezeichnete Werkhof des Baukollegiums hinter dem Chor der Kirche war nicht eigentlich Bestandteil der Kaserne. Gegen die Klybeckstrasse hin ist der Hof geöffnet. Der ehemalige Haupteingang befand sich beim Kirchenchor.
Das Hauptgebäude erstreckt über eine Länge von 110 m entlang des Rheines. Mit den zinnenbekrönten Ecktürmen und in seiner Geschlossenheit erinnerte es wohl an die ehemalige Stadtmauer, an deren Stelle es auch steht. Für die Zeitgenossen muss es jedenfalls ein eindrücklicher Bau gewesen sein. Das unterste der vier Stockwerke zeigt Zwillingsrundbogenfenster, die oberen drei Stockwerke einfache Rechteckfenster. Die schmalen Türen wurden erst im 20. Jh. eingefügt. Vor den Seiteneingängen des Hauptgebäudes stehen im Hof zwei Brunnen mit vier gleichlangen, kreuzförmig angelegten Trögen.
Im Erdgeschoss waren die Büros, zwei Kantinen sowie mehrere Offizierszimmer untergebracht gewesen. In den Obergeschossen hausten die Soldaten, in den Zimmern der Ecktürme die Unteroffiziere. In den obersten Turmgeschossen lagen die Mannschaftsräume.
Die in den Kasernenbau integrierte Kirche überragt diesen deutlich an Höhe und wurde durch die neuen Rechteckfenster diesem optisch angepasst. Nur im oberen Bereich des Chores liess man die gotischen Lanzettenfenster stehen. Im Langhaus der ehemaligen Kirche befanden sich nach einigen Umbauten die Soldatenküche und zwei Lagerräume, im Chor Magazine, die Polizeiwache sowie zwei Arrestzellen. In den drei Obergeschossen waren Mannschaftssäle, Schulungsräume, weitere Magazine sowie die Krankenzimmer untergebracht. Der schmale, ebenfalls vierstöckige Verbindungstrakt zwischen Kirche und Hauptgebäude enthielt die sanitärischen Anlagen.
Da es sich bei der Kaserne um einen Zweck- und nicht um einen Repräsentationsbau handelte, weist er nur wenig dekorative Elemente auf. Für den Baukomplex prägend sind die abgestuften Zinnen der beiden Ecktürme. Über dem hofseitigen Haupteingang des Hauptgebäudes ist zwischen den Zinnen eine Tafel mit dem Basler Wappen zwischen zwei Schweizer Fahnen und der Inschrift «Armis 1863 Patriae» angebracht, also «den Waffen des Vaterlandes». Sie brachte somit zum Ausdruck, dass sich die Kaserne dem Schweizer Militär unterstellte, welches die Mieterin des Gebäudes war. Über dem Rundfenster am Treppengiebel der Reithalle erscheint ein Baslerstab.

Die tiefen Baukosten rächen sich
Die bewusst tief gehaltenen Baukosten sollten sich jedoch bald rächen. In den folgenden Jahren mussten immer wieder Anpassungsarbeiten vorgenommen, unter anderem an der Südseite Fensterläden gegen die grosse Hitze eingebaut werden.
Die Kaserne wurde vor allem vom eidgenössischen Militär genutzt. Zunächst wurden hier unter anderem Instruktorenschulungen, Infanterie- und Wiederholungskurse sowie Schiessschulen abgehalten. Bald zeigte sich, dass der Neubau für diese Truppengattungen nicht wirklich geeignet, der Exerzier- und Schiessplatz zu klein war. Bereits zwei Jahre nach seiner Einweihung wurde er auch für andere Zwecke genutzt. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 beispielsweise nahm man Angehörige der Bourbaki-Armee in die Kaserne auf, welche sie jedoch 1871 in ziemlich desolatem und schmutzigem Zustand zurückliessen.
1875 fand in der Schweiz eine Armeereform statt. Füsilier- und Schützenbataillone sollten zu acht Divisionen zusammengefasst werden. Dazu benötigte man neue Hauptwaffenplätze. Basel bewarb sich um den fünften Kreis, wurde jedoch abgelehnt, weil der Exerzier- und Schiessplatz nicht gross genug war. In Basel wurde diese Ablehnung bitter beklagt und man fühlte sich von der Eidgenossenschaft im Stich gelassen. Ab den 1880er Jahren wurde die hiesige Kaserne vor allem für die eidgenössischen Sanitätsgruppenausbildung genutzt.
Während der Grenzbesetzungen in den beiden Weltkriegen sowie den sozialen Unruhen im frühen, 20. Jh., traten Soldaten aus der Kaserne in Aktion. In der Reitschule fanden Festanlässe statt, in der Kaserne wurden polnische Flüchtlinge aufgenommen, über mehrere Jahre auch immer wieder Gäste von Basler Anlässen wie die Mustermesse oder der Zionistenkongress beherbergt. Auch als Notspital diente das Gebäude zwischenzeitlich oder als provisorisches Schulhaus.

Aufgabe der militärischen Nutzung 1966
Die militärische Nutzung der Kaserne wurde immer stärker in Frage gestellt. Jedoch erst 1966, 103 Jahre nach ihrer Vollendung, wurde sie offiziell aufgegeben. Im selben Jahr richtete man im ehemaligen Kirchenbau, ohne Umbauten, 40 Künstlerateliers ein. Das Hauptgebäude wurde ab 1966 als Schulhaus genutzt.
Es kamen Vorschläge wie Nutzung des Gebäudes als Universität, einen Teil davon als Zeughaus und Werkhof, den Hauptbau als Primarschulhaus und die Errichtung eines Feuerwehr-Übungsturmes auf. Auch ein Parkhaus, Volkspark, Wohn- und Geschäftsräume standen zur Debatte. Ab Ende der 1970er Jahren entstand dann die Idee, das alte Gebäude als solches weiter zu nutzen. Abgesehen von den Künstlerateliers fanden Globus und Interio auf dem Gelände eine provisorische Zwischenlösung und in den ehemaligen Stallungen lagerte das Stadttheater zeitweilig seine Kulissen ein. Es entstand die Interessengemeinschaft Kasernenareal IKA, welche für zahlreiche Initiativen sorgte. 1980 wurde die Kulturwerkstatt Kaserne gegründet und das ehemalige Militärgebäude zum Schauplatz zahlreicher, kultureller Aktivitäten. Mittlerweile bildet es eine grossartige Kulisse für das Basel Tattoo und der lang diskutierte und nun ausgeführte Umbau des 9›000 m2 umfassenden Gebäudes wird für weitere Nutzungsmöglichkeiten sorgen und den Bau gegen die Rheinpromenade hin öffnen. Wenn unsere Kaserne auch nicht wirklich auf eine glorreiche, militärische Karriere zurückblicken kann, so hat und wird sie noch so manche, andere Aufgaben erfüllen.
Karin Rey 

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