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Die Lokal-Zeitung für Kleinbasel, Riehen und Bettingen

Riehen – die Geschichte des ehemaligen Bauern- und Winzerdorfes

Die Landgemeinde Riehen bildet zweifellos eine grosse Bereicherung für die Stadt Basel. Trotz zahlreicher, neuer Wohnbauten hat sie im Wesentlichen ihren Charakter bewahrt; nicht zuletzt durch die 15 teilweise noch erhaltenen, barocken Landsitze mit den Parkanlagen, die das Ortsbild entscheidend prägen und manch herrlichen Anblick bieten. 

So schrieb David Herrliberger in seiner «Neue und vollständige Topographie der Eydgenossenschaft» bereits 1754: «Riehen ist ein sehr schönes und grosses Dorf in der Landschaft Basel, wird als einer der schönsten Flecken im Wiesenthal angesehen, seine Gegend ist ungemein fruchtbar, Korn, Wein und die Obst-Früchte sind von sehr gutem Geschmack, welches den Landmann nicht wenig bereicheret. Alle diese Vortheile sind also der Anlas gewesen, dass viele Landgüter mit anmuthigen Gebäuden allhier von reichen Particularen angebauen worden, worauf sie sich den Sommer über aufhalten, oder in anderen Zeiten zu belustigen pflegen.» 

Neandertaler, Allemannen und Franken
Schon die Neandertaler haben vor 50 000 Jahren die Vorzüge dieser Gegend erkannt, wie 1967 entdeckte Knochenfunde beweisen. Im Gebiet des heutigen Friedhof Hörnli und beim Hinterengeli lagen einst römische Gutshöfe und beim Pfaffenloh und auf dem Maienbühl fand man Reste gallorömischer Heiligtümer.
Das ursprünglich durchwegs bewaldete Gebiet des Wiesenthals wurde zunächst von den Allemannen und schliesslich von den Franken ab etwa 500 bis 700 gerodet, die fruchtbare Erde nutzbar gemacht und besiedelt. Riehen selber geht vermutlich auf eine allemannische Hofsiedlung, die um 600 am Aubach im Oberdorf entstand, zurück. Der Name Riehen hat sich wohl aus «Reochheim» entwickelt, also Heim oder Dorf des Reocho oder Riocho.

Die Dorfkirche St. Martin
Ab dem 11. Jh. ist im Unterdorf eine Kirche bezeugt, aus dem 12. Jh. stammen die archäologischen Zeugnisse eines dortigen Meierhofes. Da die Kirche dem heiligen Martin geweiht worden war, dem Schutzheiligen der fränkischen Könige und Nationalheiligen des Frankenreiches, handelte es sich wohl um eine fränkische Gründung. Auch die im Dorfkern gefundenen Plattengräber sprechen für einen fränkischen Ursprung. Darunter fanden sich auch noch Reste römischer Siedlungsspuren.
Da auf alten Plänen und Vogelschaudarstellungen St. Martin mit einer Umfassungsmauer und daran angefügten Scheunen dargestellt ist, entstand 1968 die Bezeichnung «Kirchenburg». Da ansonsten jedoch keinerlei Elemente einer Befestigungsanlage vorhanden sind, handelt es sich gemäss dem 2017 erschienenem, neuen Führer lediglich um einen befestigten Kirchhof. Die Mauer entstand wohl wie die Kirche im 11. Jh. und schützte in unsicheren Zeiten, wie beispielsweise bei den Angriffen ungarischer Reitervölker, das Gotteshaus und die Vorratsscheunen. Im Kirchhof wurde bis 1828 bestattet. 1834 war St. Martin schliesslich endgültig von den umgebenden Mauern befreit, die Gräben aufgefüllt und es entstand ein Dorfplatz davor.
Der Ortsname «Riehen» findet sich zum ersten Mal in einer Urkunde von 1113 erwähnt.

Weltliche und geistliche Grundherren in Riehen
Das heutige Wappen von Riehen geht vermutlich auf dasjenige der Herren von Riehen, die bereits im 12. Jh. in Riehen erwähnt werden, zurück. Diese waren als Meier oder Güterverwalter der Edlen von Üsenberg in Riehen tätig und erlangten so, als wichtigste Männer im Dorf, mit der Zeit eine hohe Stellung. Genealogisch gesichert ist dieses Geschlecht jedoch nicht. 1385 erstmals belegt, stellt das Wappen eine Art Stufengiebel dar. Ob es eine auf einem Hügel thronende Burg darstellen oder einen Felsen symbolisieren soll, darüber ist man sich noch heute nicht einig. 1536 wird es erstmals als Gemeindewappen im Güterverzeichnis der Kirche St. Martin verwendet. Die Farben Blau und Weiss des heutigen und 1948 beschlossenen Gemeindewappens waren diejenigen der Edlen von Üsenberg.
Auch die von Ramstein, Bärenfels, Schaler und Münch, um nur einige Geschlechter zu nennen, verfügten über Besitz in Riehen. Schon früh begannen diese Adelsfamilien jedoch, diesen an Klöster zu verkaufen oder zu verschenken, sodass sie bereits Ende Mittelalter in dem Dorf an Bedeutung verloren.
Das Kloster St. Gallen tritt bereits im 8. Jh. als Grundeigentümerin in Riehen auf, 1113 fiel zahlreicher Besitz an das Kloster St. Blasien im Schwarzwald und auch das Zisterzienserkloster Wettingen verfügte seit dem 13. Jh. über Ländereien und Herrschaftsrechte in Riehen. Ebenso traten fast sämtliche Basler Klöster und Stifte als Grundherren in dem Bauern- und Winzerdorf auf, sowie das 1265 erstmals erwähnte Spital von Basel und das Siechenhaus St. Jakob.

Riehen in Besitz des Fürstbistums und schliesslich der Stadt Basel
Ab 1270 gelangte Riehen in den Besitz des Fürstbistums Basel, unterstand also dem Bischof von Basel und dessen Gerichtbarkeit. 1522 wurde es von der Stadt Basel erworben, die 1544 auch die Güter des Klosters Wettingen kaufte und unterstand fortan einem städtischen Vogt. Dieser trieb unter anderem die Grundsteuer, die sogenannten Zehnten ein, welche die Bauern einmal im Jahr in Form von Naturalien wie Trauben, Getreide, Heu oder auch Holz an die Stadt Basel auszuliefern hatten.

Einst ein Bauern- und Winzerdorf
Im 16. Jh. war Riehen noch ausschliesslich ein Bauern- und Winzerdorf. Das Dorfzentrum lag dort, wo heute die Baselstrasse mit der Schmiedgasse und dem Erlensträsschen zusammentrifft. Die wenigen Erkenntnisse lassen auf mehrheitlich zweigeschossigen Fachwerk- und Steinbauten ­schliessen. Daneben gab es die bescheidenen Häuschen der Taglöhner, Handwerker und Kleinbauern, wie sie noch heute an der Gartenstrasse 27/29 erhalten sind und in ihrer Bausubstanz auf das 16. Jh. zurückgehen. 1905 zählte die Gemeinde 105 Landwirtschaftsbetriebe, von denen nur noch einige erhalten sind, einer davon im Dorfzentrum. Glücklicherweise sind jedoch viele der alten Gebäude restauriert und umgenutzt worden.
1623 wurde das erste Schulhaus am Erlensträsschen erbaut und 1661 konnte sich Riehen ein Schützenhaus in der Gegend der heutigen Schützengasse leisten. All dies spricht für eine Erstarkung der Dorfgemeinde.

Attraktiver Standort für Basler Landsitze
Mit Basel durch eine offene, gut befahrbare Landstrasse verbunden, durch seine sonnige Lage, auch die gute Reblage, die ansehnlichen Bauernhäuser und den friedfertigen Charakter der Einheimischen wurde Riehen bereits im 16. Jh. als idealer Standort für einen Landsitz entdeckt. Ein weiterer Anreiz bildete die Tatsache, dass Basler Bürger in Riehen keine Steuern zahlen mussten und auch frei von Verpflichtungen gegenüber der Gemeinde waren. Diese Privilegien hatten sich die Basler Herren 1537 selber gegeben, nachdem Riehen 1522 in den Besitz der Stadt Basel gelangt war. Diese Landsitze wurden zum einen als Kapitalanlagen erworben, dann verbrachte die Basler Oberschicht auch mit Vorliebe die heissen Sommermonate dort, fern vom Lärm und den Verpflichtungen der Stadt.
Einige der heute noch erhaltenen Herrenhäuser gehen bis auf das 16. Jh. zurück und wurden im Laufe der Zeit um- und ausgebaut. Ende des 18. Jh. hatten Basler Bürger bereits an die 20 der insgesamt etwa 200 Wohnhäuser in Riehen erworben, dazu ausgedehnten Landbesitz, der etwa ein Viertel der Dorffläche einnahm. Diese Landankäufe der Basler Herren trieben den Landpreis natürlich in die Höhe und viele der ansässigen Bauern besassen kaum noch Land im Dorf selber. 1798 wurde mit der Helvetischen Republik die Untertanenschaft und Landvogtei aufgehoben und ein Gemeinderat geschaffen.

Riehen kümmerte sich um seine Armen
Obwohl Markus Lutz in seinen «Neuen Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel» 1805 schreibt, dass die Bewohner von Riehen dank der reichen, landwirtschaftlichen Erträge und ihres Fleisses meist reiche, wohlhabende Leute seien, wurde um 1800 festgehalten: «Es finden sich besonders in Riehen ganze Geschlechter von Stummen, Thoren und Grüpel, die von dem guten Armen Seckel, den Höfen (Landgütern) und reichen Einwohnern erhalten werden». Die Gemeinde setzte einen Armenschaffner ein und kümmerte sich, trotz chronischem Geldmangel, um uneheliche Kinder, Witwen, Waisen, Invalide und Arme.

Riehen wird dem Kanton Basel-Stadt zugeteilt
Nach der Kantonstrennung 1833 wurde Riehen dem Kanton Basel-Stadt zugeteilt und zu einem Bezirksort mit Gericht, Statthalteramt und Gemeindeschreiberei. So entstand 1836/37 das von Melchior Berri entworfene und Amadeus Merian errichtete Gemeindehaus zwischen der Kirche und dem ehemaligen Wirtshaus Ochsen. Bis 1873 blieb Riehen jedoch einem Statthalter von Basel unterstellt, die kommunale Selbstverwaltung erlangte es erst 1875.

Fortschritt: Eisenbahn Elektrizität und Tram
Ein grosser Schritt in Richtung Moderne bedeutet die Eröffnung der Bahnlinie Basel-Schopfheim 1862, die Basel mit dem Wiesental verband. Somit war Riehen an den öffentlichen Verkehr angebunden. Die Bahntrassee durch das Dorf erforderten jedoch den Abbruch einiger Häuser.
Trotz der zahlreichen Landsitze der Basler Herren wurde die Elektrizität erst 1901 in Riehen eingeführt. 1908 schliesslich fand die Eröffnung der Tramlinie nach Riehen statt. Die Endstation mit den drei Gleisen wurde vor der Dorfkirche angelegt, einige Linden mussten ihr zum Opfer fallen. 1914 wurde die Tramlinie dann schliesslich bis zur Landesgrenze fortgeführt.
Natürlich führte auch in Riehen dieser Anschluss an den öffentlichen Verkehr zu einem enormen Anwachsen der Bevölkerung, was den Abriss zahlreicher Bauten und Verschwinden vieler Gärten und Bäume zur Folge hatte. Dennoch fühlt man sich beim Spazieren durch den Schlipf, entlang der Wiese oder beim Anblick des alten Dorfkernes und der barocken Landgüter nach wie vor in vergangene Zeiten versetzt.
Durch die Eröffnung der Fondation Beyeler 1997 wurde die Gemeinde auch zum Anziehungspunkt vieler Auswärtiger, das Naturbad, das 2014 seine Tore öffnete, sorgt für zusätzliche Attraktivität; und nicht umsonst hat Riehen 2011 das Unicef-Label «Kinderfreundliche Gemeinde» erhalten.
Karin Rey 

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