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Die Baugeschichte des Basler Münsters (Teil 3)

Das Basler Münster, sich stolz über dem Rhein erhebend,
blickt auf eine 500jährige Baugeschichte zurück. Der Hügel, auf dem es steht, auf eine noch viel längere Siedlungsgeschichte.

Das gotische Münster (um 1270 – 1500)
Um 1220/1230 war das spätromanische Münster fertiggestellt worden. Etwa 50 Jahre später wurden erstmals Elemente in gotischem Stil ergänzt.
Wie das Eingangsportal des spätromanischen Münsters ausgesehen hat, ist leider nirgends überliefert. Jedenfalls wurde es, wohl durch Bischof Heinrich von Neuenburg (1263–1274) ersetzt durch eine gotische Portalanlage mit einer Vorhalle. Zusätzlich zum skulpierten Hauptportal gab es einen Statuenzyklus mit den klugen und törichten Jungfrauen. Damals entstand auch das heute noch erhaltene, spitzbogige Masswerkfenster darüber.

Die Grabmäler an der nördlichen Seitenschiffwand
Von Heinrich von Neuenburg stammte auch die erste, in gotischem Stil gehaltene Grabkapelle, die er an das nördliche Seitenschiff, also gegen den heute mit Bäumen bestandenen Platz hin anfügen liess. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Kapellen angebaut, auch an das südliche Seitenschiff. 1340 öffnete man diese gegen die Seitenschiffe hin, sodass aus dem Münster eine fünfschiffige Kirche wurde.
Ergreifend wirken die an die nördliche Seitenschiffwand angefügten Grabmäler aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Das Grabmal Bischof Arnolds von Rotberg beispielsweise, 1458 gestorben, zeigt ihn in einem schlichten Gewand, auf den Bischofshut und -stab hat der Künstler jedoch prachtvolle Ornamentik angebracht mit einer unglaublichen Freude am Detail.

Das grosse Erdbeben in Basel
1356 ereignete sich dann das furchtbare Erdbeben in Basel und richtete auch einigen Schaden am Münster an: die Gewölbe wie auch die Türme stürzten ein und vermutlich auch Teile des Chores. Denkt man an die Erschütterung, die der Brand der Notre Dame in Paris bei den heute so abgeklärten Menschen hervorgerufen hat, kann man sich vorstellen, was diese Schäden an ihrer Hauptkirche für die tief religiösen Menschen des Mittelalters bedeutet haben.
Unter Bischof Johann Senn II. von Münsingen, 1335 bis 1365 Bischof von Basel, sowie dem Baumeister Johannes Parler von Gmünd, der zwischen 1357 bis 1359 für Basel gesichert ist, wurde das Münster in gotischem Stil wieder aufgebaut: damals erhielt es sein Gewölbedach und auch in der Krypta zog man ein Gewölbe ein, wodurch die beiden Bischofsbilder von Adalbero II. und Lüthold I. teilweise verdeckt wurden. 1363 konnte der Chor neu geweiht werden.

Neues «Mobiliar» für den Innenraum
Ebenfalls in gotischer Zeit, genauer gesagt um 1381, wurde im Hauptschiff ein Lettner, das heisst eine Schranke zwischen dem Langhaus für die Laien und dem Chor, wo sich nur die kirchlichen Würdenträger aufhalten durften, eingebaut. Auch das Chorgestühl für das Domkapitel und der Bischofsthron entstammen jener Zeit. Das Ölgemälde des schwäbischen Malers Hans Sixt Ringle von 1650 gibt einen Eindruck des Innenraums mit diesem Mobiliar. Ab 1400 waren die Gewölbe vollendet. Das ebenfalls neu errichtete Krypagewölbe erhielt Malereien mit Szenen aus dem Leben der heiligen Margaretha, Martin, Maria und Anna mit Joachim.
Um 1410/20 versetzte man das Hauptportal nach vorne und hob somit die Vorhalle auf. Links des heutigen Portals stehen auf hohen Podesten das Stifterpaar Heinrich II. und Kunigunde, rechts zwei Skulpturen der ehemaligen Vorhalle: der galante Fürst der Welt, der durch das Getier an seinem Rücken als Teufel gekennzeichnet ist und eine törichte Jungfrau, die sich kokett zu entblössen beginnt. Damit symbolisieren die beiden Paare das gute und schlechte Fürstenpaar.

Die heiligen Georg und Martin
Bei den Reiterstatuen der Heiligen Georg (Original nach 1372) und Martin (wohl Ende 13. Jh.) an der Hauptfassade handelt es sich um Kopien, die Originale sind im Museum Kleines Klingental.
Martin, später Bischof von Tours, war der Schutzpatron des Frankenreiches. Da Basel lange zu diesem Reich gehörte, im 6. Jh. ist auch eine fränkische Bevölkerung in der Gegend um Basel fassbar, spielte der Heilige auch hier eine wichtige Rolle. Ob die ihm geweihte Martinskirche bereits in fränkischer Zeit, also im 6./7. Jh. entstand, wurde mehrfach von der Forschung als möglich erachtet. Eine definitive Bestätigung könnten jedoch nur Grabungen im Innern der Kirche geben.

Aus cappa wird Kapelle
Der Mantel Martins war an die fränkischen Könige gelangt, galt als Reichsreliquie und wurde seit 679 im Königspalast in Paris aufbewahrt. Mantel heisst auf lateinisch «cappa», der abgeschlossene Raum, in dem die Reliquie aufbewahrt wurde, nannte man ­Cappella; daraus wurde die Kapelle. Die Martinsgans kommt von der Legende, dass Martin sich vor lauter Bescheidenheit in einem Gänsestall versteckt haben soll, als man ihn zum Bischof wählen wollte. Diese schamhafte Weigerung als Ausdruck der Bescheidenheit, auch die Herkunft aus einer reichen, heidnischen Familie und anschliessende Bekehrung und Hinwendung zum christlichen Armuts­ideal, gehören zu den ­Topoi vieler Heiligenlegenden. 1597 wurde der Bettler durch einen Baumstrunk ersetzt.

Ritter Georg im Allschwilerwald
Georg war ein Heiliger des 3. Jh. aus Kappadokien, vielmehr ein Märtyrer, da er während der Christenverfolgung unter ­Diokletian den Märtyrertod erlitt. Das Motiv des Drachenkampfes, die Rettung einer Prinzessin vor dem Ungeheuer, kam erst etwa im 11./12. Jh. dazu. Dabei soll dieses Motiv allgemein den Kampf gegen das Böse darstellen. Die Altbasler Dichtung verlegte den Drachenkampf in den Allschwilerwald. Dort soll einst das Schloss eines Herzogs gestanden haben, der, als er aus einer Quelle trank, vom bösen Drachen verschlungen wurde. Aus Kummer erkrankte die Herzogin und meinte, nur das Wasser aus dieser Quelle könne sie heilen. Die Tochter machte sich mit einem Krug auf den Weg und wurde vom Drachen überrascht und von Ritter Georg gerettet. Aus Dankbarkeit sollen die Basler seine Statue am Münster angebracht haben.

Vollendung des Münsterbaus um 1500
Bis 1428 wurden die oberen Geschosse des Georgturms errichtet. Mit der Vollendung des Martinsturmes durch den Werkmeister Hans von Nussdorf am 23. Juli 1500 waren die gotischen Bauarbeiten am Münster, wie auch der Kreuzgänge, abgeschlossen. Die Türme und auch der dazwischen liegende Giebel sind reich verziert mit gotischen Zierelementen wie Fialen, ­Wimperge und Wasserspeier.
Übrigens: Wie Farbspuren gezeigt haben, waren wichtige ­Partien wie die Galluspforte, sicher das ehemalige Westportal und auch Skulpturen im Mittelalter farbig hervorgehoben. Der ganze Kirchenbau war vermutlich bereits im 16. Jh. aussen mit einer dunkelroten Ölfarbe bemalt worden, um die verschiedenen Bauphasen zu überdecken. Diese wurde im 19. Jh. entfernt.
Vermutlich um 1527 wurde die Bauhütte geschlossen, 1986 jedoch als Stiftung wieder neu eröffnet, um das Münster permanent in­stand zu halten.

Prozessionen und Bestattungen im Kreuzgang
Der grosse Kreuzgang entstand zwischen 1429–1462, der kleine folgte zwischen 1467–1487. Eine Halle mit einer Tannenholzdecke von 1490 verbindet beide Kreuzgänge, darüber liegt der Münstersaal, in dem sich einst die Bibliothek des Basler Konzils 1431–1449) befand. Ursprünglich stand hier auch ein Bischofsthron.
Während des Mittelalters befanden sich in den Kreuzgängen mindestens sechs Altäre. Es muss ungeheuer feierlich gewirkt haben, wenn anlässlich von Prozessionen die Domherren durch den Kreuzgang wandelten und an den Altären Gottesdienste abhielten. Wie auch in Klöstern, diente der Kreuzgang zudem als Bestattungsort. Selbst nach der Reformation, sogar bis ins 19. Jh., wurden bedeutende Basler Persönlichkeiten hier bestattet, wie die zahlreichen, noch erhaltenen Epitaphien zeigen.

«Säuberung» während des Bildersturmes 1529
Noch heute finden sich am Münster, der ehemaligen Bischofskirche von Basel, Spuren des sogenannten Bildersturmes von 1529, Höhepunkt der Reformation. Da die Reformatoren die Verehrung Gottes in Form von Bildern als Götzendienst ablehnten, glaubte man, die Kirchen davon säubern zu müssen. Die Anhänger der neuen Glaubensrichtung stürmten diese und entledigten sie des überflüssigen Schmuckes. Im Münster wurden an die 60 Altäre sowie unzählige Statuen auf den Münsterplatz geschleppt und verbrannt.
Steht man beispielsweise vor der Westfassade, sind über dem Türsturz des Hauptportales noch kleine Reste der Basis der ehemaligen Reliefskulpturen, möglicherweise des Jüngsten Gerichtes, zu sehen. Als Ersatz dafür füllte man das Bogenfeld mit Masswerk. Am Mittelpfosten befand sich ehemals eine Marienstatue, von der nur noch das Podest erhalten ist.

Umgestaltung in «ein dem Auge wohl gefälliges Gottes­haus» im 19. Jahrhundert
Die Gestaltung des Innenraums des Münsters in den heutigen Zustand erfolgte während obgenannter Restaurierung 1852–1857. So wurde beispielsweise der Lettner an die Westwand verschoben, um einen Einheitsraum zu schaffen und fand als Orgelempore Verwendung. Die Vierungskrypta wurde aufgehoben und die ehemals erhöhte Vierung auf gleiche Ebene wie Mittelschiff und Querhaus gelegt. Die ursprünglich zwei Treppen, die von den Querhausarmen in den Chorumgang führten, sind durch eine neue, breitere in der Mitte ersetzt.
Bei der Renovation des Aussenbaus 1880-1890 erhielt das Münster einen neuen Dachstuhl aus Eisen anstelle des bisher hölzernen und die farbigen, von Villeroy & Boch in Mettlach und Merzig maschinell hergestellten, farbigen Ziegel.

Die Pfalz: Aussichtsplattform und Ort diverser Feierlichkeiten
Die hinter dem Chor liegende, aufgeschüttete Terrasse, seit jeher Pfalz genannt, wird durch eine 18 Meter hohe Mauer gestützt. Wann diese entstanden ist, kann nicht belegt werden. Jedenfalls wurde sie schon im 14. Jh. als Aussichtsplattform sowie für sakrale und profane Feierlichkeiten genutzt. 1502 stürzte sie zusammen und wurde zwischen 1503–1510 wieder aufgebaut. Damals brachte man die Statuen von Heinrich und Kunigunde sowie Maria mit Kind an. Die Originale befinden sich ebenfalls im Museum Kleines Klingental.
Karin Rey


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