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Die Lokal-Zeitung für Kleinbasel, Riehen und Bettingen

«D Mensche gärn ha und s Lääben au»

Zum 90. Geburtstag von Rose-Marie Joray



Rose-Marie Joray schreibt eine Widmung in das neue Buch: «Die Reise in den Himmel». (Foto: Armin Faes)  

An den Wänden in ihrem stattlichen Haus am Theodorsgraben hängen unzählige Bilder und Skizzen, entstanden in ihrem Atelier von ihren Händen mit ihrer Fantasie erschaffen, ebenso prall gefüllt ist ihr Büchergestell, das im hohen Raum bis zur Decke reicht; es sind alles Erinnerungen und Szenen aus der Vergangenheit, die – wenn man sie antippt – wieder lebendig werden. Unlängst konnte Rose-Marie Joray im Kreise ihrer Familie und Freundinnen und Freunde ihren 90. Geburtstag feiern. Weil sie Griechenland liebt, wurde sogar Sirtaki getanzt. «Ich musste weinen, da ich die frohen Tänze nur aus meinem Rollstuhl geniessen konnte». Trotzdem konnte sie den Tag mit frohem Herzen auskosten.
Aufgewachsen ist Rose-Marie im «Huas zur Krähe» in der Spalenvorstadt 12. Ihr Vater war Chef der Feuerwehr. Später kam sie zu ihren Grosseltern nach Riehen. «Dort war für mich das Paradies; es gab einen Hund, es gab Hühner, es gab einen grossen Garten mit tausend Düften, und ich begann schon früh mit Zeichnen.» Angetan hatte es ihr Marlene Dietrich, die sie oft zeichnete. Ihre Grosseltern waren streng und wohlhabend und ihr Credo hiess: «Mir sinn nit uus em Daig, mir sinn uus em Birgertum», mit anderen Worten, wir arbeiten für unser Geld.

Der Weg zur Illustratorin
In der Grafikfachklasse der Kunstgewerbeschule in Basel absolvierte sie eine Grafiker-Ausbildung. «Wir lernten auch die Grundregeln der Typografie bei keinen geringeren als bei Jan Tschichold und bei Emil Ruder.» Anschliessend arbeitete sie für verschiedene chemische Firmen und ab Mitte der Fünfziger Jahre als Chefgrafikerin für die Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit SAFFA, die 1958 in Zürich 2,2 Mio, Besucherinnen und Besucher anzog. Hingegen spürte sie bald, dass ihr Weg die Illustration von Büchern war. Für unzählige Buchtitel aus den verschiedensten Verlagen schuf sie die Illustrationen, was ihr letztlich auch ermöglichte, die schwierige Aufgabe als alleinerziehende Mutter dreier Söhne zu meistern. 1979 erhielt sie sogar als Illustratorin den «Bologna Ragazzi Award», der ihr an der internationalen Kinderbuchmesse in Bologna verliehen wurde.

Laternen und Kostüme
Seit 1951 wohnt Rose-Marie Joray im Kleinbasel. «Ich fühle mich hier wirklich Zuhause; ich bin eine Kleinbaslerin durch und durch geworden, auch wenn es mir nicht immer gefällt, was hier passiert.»
Ihr kritischer und wacher Geist ist geblieben! Insgesamt hat sie 35 grosse Laternen gemalt, für die Lälli Alte Garde, Breo, Giftschnaigge, Verschnuuffer und später für die Dolleränzler. Etliche Basler Bücher hat sie illustriert, vor allen am und auch bekanntesten die drei Auflagen der «Gossdym-Kischte». Interessante und berührende Schwarz-weiss-Illustrationen hat hingegen beispielsweise Rose-Marie Joray für das schmale Bändchen «Wenn Binggis pfyffe und drummle wänn…» geliefert. Sie wurden mit einem dicken Filzstift gezeichnet. Das Büchlein, mit Geschichten von Inge von der Crone, -minu und Charlotte Seemann erschien 1983 im Gissler Verlag Basel. Dass die begabte Künstlerin ihr Wissen auch weitergegeben hat, ist selbstverständlich. Sie unterrichtete Modezeichnen an der Kunstgewerbeschule und war über Jahre Abschluss-Prüfungsexpertin der Grafik-Ausbildung.

Internationale Ausstellungen
Ab den Siebziger Jahren konnte man die künstlerischen Arbeiten an unzähligen Ausstellungen im In- und Ausland anschauen. Sie weilte zum Beispiel einen Monat im Swiss Center in New York, wo sie ihre Fasnachtsblätter ausstellen durfte. Es war allerdings nur möglich, weil sie die Ausstellung auch «hüten» musste… Ganz aktuell findet am 29. August im Andlauerhof die Vernissage einer Ausstellung statt, wo Rose-Marie Joray ihre neusten Arbeiten zu ihrem 90. Geburtstag zeigt. Es sind Werke zu Themen wie Mutter und Kind, das eigene Alter und die Freude an kleinen einfachen Dingen in einer reduzierten symbolhaften und klaren Bildsprache, künstlerisch virtuos im Mittelpunkt. Trotz ihres 90. Geburtstages zeigt Rose-Marie Joray keine Retrospektive, sondern aktuelle Arbeiten.

Ein wacher Geist
Rose-Marie Joray hat trotz ihres Alters ein wacher und kritischer Geist bewahrt. Auch ist erstaunlich wie vital ihre Wahrnehmung ist, wie klar ihre Gedankenwiedergabe, wie gepflegt ihr Baseldütsch. Was wäre ihr Wunsch an die Fee? «Dass ich gehen könnte bis zum Wettsteinplatz; im Frühling auf die Insel Hydra in Griechenland, im Sommer ins Burgund und im Herbst in die Lange Erlen durch das Laub waten.» «D Mensche gärn ha und s Lääben au», ist ihr Motto, aber auch – und das hat sie dem Schreibenden mitgegeben: «Glaube ist, wenn Du deine Hand ausstreckst in der Dunkelheit mit dem Gefühl, gehalten zu werden».
Armin Faes 

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