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Grün 80: Vor 40 Jahren schloss sie ihre Tore und lebt bis heute weiter. (Teil 2)

Am 12. Oktober 1980, demnach vor fast genau 40 Jahren, schloss die Grün 80 bei strömendem Regen ihre Pforten. Geblieben ist eine Naherholungszone, die ohne die Grün 80 nicht existieren würde. Wir haben mit dem seinerzeitigen Direktor Hans-Peter Ryhiner etwas in der Geschichte der Ausstellung geblättert. Im ersten Teil schilderten wir die Entstehungsgeschichte und die Eröffnung. Heute blicken wir auf das Konzept, auf die Botschaft und auf den Staatsbesuch der Queen Elisabeth II von England.

Von Armin Faes

«Der Mensch lebt mit der Natur. – Der Mensch erfreut sich an der Natur. – Der Mensch lebt von der Natur. – Der Mensch lernt von der Natur. – Der Mensch ist Teil der Natur.» Diese fünf Kernaussagen stellten den geistigen Grundpfeiler der Grün 80 dar. Die zwischen dem Menschen und der Natur bestehenden Zusammenhänge sollten aufgezeigt werden. Die Grün 80 sollte mehr als eine Garten- und Blumenolympiade werden. Ein wesentlicher Ausgangspunkt für die Planung war auch die Nachnutzung des Areals als Naherholungsgebiet für die Bewohner der Agglomeration Basel. Auf einer Fläche von 460'000 m2 wurden sechs Sektoren realisiert: Die Themen Markt, Thema Erde, Land und Wasser, Schöne Gärten, Säen und Ernten und die Grüne Universität. Verbunden wurden die Sektoren mit dem «Grünen Ring», einem Rundweg um die weiter genutzten Sportfelder.

Die verschiedenen Grundsätze
Was ist Erde? Der Begriff Erde als Boden ist identisch mit dem Gedanken an Leben, an Fruchtbarkeit, an Nahrung. Und schon vor 40 Jahren hiess es: «Mit diesem Gut wird auf der Erde Raubbau getrieben, wobei der Zug des Fortschritts in den letzten Jahren immer schneller und unkontrollierbarer in eine unbekannte Zukunft rast. Hat dieser Zug überhaupt eine Bremse?» Das Thema Erde sollte zum Weiterdenken animieren.
Wie spielen Land und Wasser zueinander? Dieser Sektor wollte aufzeigen, dass der Mensch mit seinen landschaftsfressenden Bedürfnissen das Wasser immer mehr verdrängt, und unser ­grösstes Wasserreservoir im Binnenland, das Grundwasser, immer mehr Gefahren aussetzt. Mit tiefreichenden Kellern und anderen Tiefbauten werden Grundwasserströme gestoppt, umgeleitet, versiegen mancherorts gar, ohne dass an der Oberfläche vorerst Auswirkungen zu beobachten wären. Diese Tatsache wollte dieser Sektor sichtbar machen.
Die Grüne Universität zeigte, dass der Mensch von und mit der Pflanze lebt, Pflanzen geben ihm Nahrung, Holz für seine Behausung, Stoffe und Farben für seine Bekleidung, Medizin für die Gesundheit, Opfergaben für die verschiedensten Kulthandlungen. Umgekehrt beeinflusst auch der Mensch die Entwicklung der Pflanzenwelt nachhaltig, was zur Veredelung führen kann, aber auch zur Ausrottung und Ausbeutung von wertvollen Arten.
Der Schöne Garten war schon vor 40 Jahren ein beliebtes Thema, so auch in der Grün 80. «Etwas Grünes, etwas Garten braucht der Mensch». Erinnert sei auch an den «Garten Eden».
Die ältesten Spuren von Gärten finden sich im Ägypten der Pharaonen, wo sich bereits eine richtige Gartenkultur entwickelt hatte’. Heute haben sich die Gärten weiter entwickelt in Familiengärten, als Pflanzland, als Park, jedenfalls ist die Sehnsucht seit der Grün 80 nach einem eigenen «grünen Blätz» enorm gewachsen.
«Die Grünen an der Arbeit» hiess der Untertitel zum Thema Säen und Ernten. Die Grün 80 war die Ausstellung der Schweizer Gärtner – aber mit übergeordneten Zielen, die weit über die Selbstdarstellung der Gärtnerberufe hinausgingen. Der Sektor war das Dorado der Ausstellung. Hier präsentierten sie sich als Topfpflanzen- und Schnittblumengärtner, als Baumschulisten, Obst- und Gemüsebauern. Und neben den Berufsgärtnern waren dort auch die Hobbygärtner zuhause.
Der Sektor Markt ist und bleibt auch heute der lebendigste und menschlichste Ort aller Handels-Orte. Hier fanden die Besucher neben einem reichhaltigen Warenangebot alle notwendigen Informationen zur Ausstellung. Allerdings war dieser Sektor in der Presse immer wieder Ziel von Kritik.

Die Queen Elisabeth II von England kommt!
Just am Tag der Arbeit, am 1. Mai, war der Besuch von Königin Elisabeth II mit Prinzgemahl Philip von Edinburgh angesagt. Kurz nach 11 Uhr fuhr die königliche Wagenkolonne beim Südeingang vor. Die Königin hatte auf einen kugelsicheren Mercedes verzichtet und wollte stattdessen in ihrem schicken Rolls-Royce vorfahren. Empfangen wurde die Monarchin vom damaligen Präsidenten der Basler Handelskammer J. Peter Christen und von Bundesrat Furgler sowie von weiteren Persönlichkeiten aus der Region und von der Organisation der Grün 80. Anschliessend begaben sich die Queen und der Hofstaat auf einen kurzen Rundgang und fuhren anschliessend mit dem Monorail-Sonderzug in verkehrter Richtung zur eigens aufgebauten Haltestelle vor der Villa Merian. Bevor es zum Mittagessen ging, mussten die Gäste noch etwas Wichtiges erledigen: Ihre Hoheit – in ihrem lachsfarbenen Deux-pièces und elegantem Hütchen –pflanzte vor der Sommerresidenz Christoph Merians mit Assistenz vom Ehepaar Furgler eine Blutbuche. Leider ist sie infolge starkem Hangwasser eingegangen. Gleich daneben ist noch immer die Skulptur «Kopf» von Markus Raetz zu sehen.

Tisch und Besteck aus dem Hause Ryhiner, die echten Holbein-Bilder aus dem Kunstmuseum
Was heute kaum mehr realisierbar wäre: Es ist in der Kunstwelt weltweit bekannt, dass die Queen eine der grössten Holbeinsammlungen besitzt. Man war sich deshalb einig, dass in den Räumlichkeiten, wo sich die Queen aufhalten wird, jeweils ein echter Holbein hängen muss. Das konnte damals unkompliziert bewerkstelligt werden! Ebenso «sponserte» die Familie Ryhiner für diesen Anlass ihren grossen ausziehbaren Tisch sowie das benötigte silberne Familienbesteck. Zur Vorspeise gab es frische Spargeln (die Königin ass sie – als Einzige der Tafelrunde – mit Gabel und Messer), dann folgte ein Gitzibraten und zum Dessert eine Tarte Tatin. Der Weisswein stammte aus allernächster Nähe, es war ein «Aescher Tschäpperli Sylvaner», der Rote ein Malanser.
Nach etwas mehr als drei Stunden verabschiedeten sich die hohen Gäste. Nachzutragen wäre noch, dass Prinzgemahl Philip von Edinburgh sich ursprünglich für eine Besichtigung des Rheinhafens interessiert hat. Wegen des Feiertags 1. Mai klärte man ihn auf, dass dort am selbigen Tag nichts zu sehen wäre, und so «musste», «durfte» ebenfalls an die grüne Blumenschau – und Kleinhüningen hat damals einen für das ehemalige Fischerdorf geschichtsträchtigen Besuch eines Prinzgemahls verpasst …

In der kommenden Ausgabe berichten wir über die Unterhaltung, über die Presse und was der ehemalige Direktor der Grün 80 für ein nachträgliches Fazit zieht. 

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