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Crashkurs auf dem Rhein

Der Wasserskiclub Basel feiert dieses Jahr sein 60-jähriges Bestehen. Zeit für einen Selbstversuch auf dem Fluss. Daniel Schaufelberger
aktiv dabei.

Von Daniel Schaufelberger

Vermutlich hat jeder schon einmal die Wasserskifahrer auf dem Rhein vorbei brausen sehen. Meistens sind es die Mitglieder des Wasserskiclubs Basel, der bereits 1960 gegründet wurde. In seiner Bestehungszeit brachte der Club schon gute Wasserskiläufer hervor, die an nationalen wie internationalen Wettkämpfen teilnahmen. Heute wird hauptsächlich gefahren, um Spass zu haben und die Leute mit Shows, wie an der Bundesfeier, zu begeistern. 32 Mitglieder zählt der Club zurzeit.

Gezogen werden die Fahrer von einem Ski Nautique-196-Boot, dessen V8-Motor 400PS aufs Wasser bringt. Das ist Power genug, um sieben Fahrer gleichzeitig zu ziehen. Günstig war das Boot nicht, etwa 32‘000 Franken wurden dafür bezahlt, der Neupreis ist deutlich höher. Die jährlichen Unterhaltskosten mit Service und Standplatz belaufen sich auf rund 12‘000 Franken. Eventuelle Reparaturen sind da nicht eingerechnet.

Mit Tempo 30 über den Rhein
Ich treffe Club-Präsident Marco Berini bei der Dreirosenbrücke, dort wo einst die Wasserski-Schanze stand. Da diese immer wieder verbotenerweise von Schwimmern besetzt wurde, ging sie unter und schliesslich kaputt.
Mit einem Elektromobil bringt er die Ausrüstung vom Depot im Rumpf der Dreirosenbrücke an das Flussufer. Gefahren wird in allen Disziplinen. Wakeboard, Paarski, Slalom und Barfuss. Am häufigsten wird das Wakeboard gefahren. Barfuss stelle ich mir schmerzhaft vor. «Nein», sagt der Präsident, «es kitzelt nur ein wenig». Weitere Wasserfahrer treffen ein. In einem Bord-Buch wird notiert, wer wann fahren kann.

Als erster ist Marco Berini an der Reihe. Er startet direkt vom Rheinufer. Mit einem grossen Sprung landet er auf dem Wasser. Er macht Sprünge, fährt rückwärts, seitwärts und zeigt all seine Tricks. Das Boot ist zwar mit Rückspiegeln ausgestattet, doch zur Sicherheit sitzt zusätzlich ein Beifahrer mit im Boot. Den Blick entgegen der Fahrtrichtung beobachtet er den Wasserfahrer, um zu reagieren, falls er fällt oder Zeichen gibt. Zeichen gibt es für «schneller», «langsamer», «Pause» oder «genug für heute». Auch der Bootsführer gibt Handzeichen, eine Faust zum Beispiel heisst «vorsicht Wellen». Zudem beobachtet er alle Aktivitäten im Wasser und macht den Wakeboarder auf Schwimmer aufmerksam. Das momentane Tempo sind knapp 30 km/h, es kommt einem schneller vor. Bei Vollgas schafft es die Maschine auf 60 Stundenkilometer.

«Heute haben wir schlechtes Wasser»
Bei der Schwarzwaldbrücke drehen wir um, weiter darf nicht gefahren werden. «Heute haben wir schlechtes Wasser», meint Berini, als wir wieder an der Dreirosenbrücke ankommen. Damit meint er die Wellenbildung, je weniger, desto besser für den Fahrer. «Egal, was ich für einen Tag hatte, nach so einer Runde geht es mir gut. Und die Kulisse ist ja wohl einmalig», sagt er, angesprochen darauf, was ihm das Fahren bedeutet. Unfälle beim Fahren gibt es selten. Berini – selbst seit vier Jahren im Club – weiss nur von einem Unglück, das vor etwa 20 Jahren passierte. Sicherheit wird gross geschrieben.

Übungen an Land
Drei weitere Fahrer sind an der Reihe, ehe ich es versuchen darf. Bevor es ernst wird und es auf das Boot geht gibt es Trockenübungen an Land. Mit dem Brett an den Füssen und dem Griff des Seiles in der Hand setze ich mich hin. Marco Berini erklärt, wie man sich aus dem Wasser ziehen lässt. «Die Knie rechtwinklig anwinkeln, die Arme gestreckt dazwischen». Er zieht mich hoch. Automatisch richte ich mich dabei auf. «Nicht aufstehen, bevor du oben bist, sonst verschlägt es dich nach vorn,» korrigiert er mich. Hat man es geschafft, auf die Wasseroberfläche zu kommen, muss «nur» noch das Brett in Fahrtrichtung ausgerichtet werden. Wir üben das bis es – zumindest an Land – klappt. Das Boot kommt von der letzten Fahrt zurück. Jetzt bin ich dran, und ich bin nervös. Schnell wird die Schwimmweste montiert. Die anderen Fahrer warnen mich auch nochmals: Nicht aufstehen, bevor du oben bist! Wir fahren hinter die Dreirosenbrücke. Weniger Zuschauer, das ist schon mal beruhigend.

Dann geht’s los!
Nochmals üben wir das Hochkommen, diesmal direkt im Wasser, dann geht es los. Mit der ca. 20 Meter langen Leine sitze ich im Rhein und gebe das Startzeichen. Ein Ruck und ich komme aus dem Wasser. Ein weiterer Ruck und ich liege wieder drin. «Du bist aufgestanden», ruft mir Berini zu. Das habe ich nicht einmal bemerkt. Nächster Versuch. Diesmal schaffe ich es nicht aufzustehen, trotzdem geht die Fahrt nur zwei Meter. «Sehr gut, jetzt noch das Brett ausrichten und du bist oben», tönt es vom Boot. Nochmals. Diesmal klappt es gar nicht schlecht. Doch eine Verletzung (nicht vom Wasserskifahren) im Ellbogen macht sich bemerkbar. Ich kann das Seil nicht mehr halten und lande einmal mehr Kopfüber im Rhein. Ich muss leider aufhören, was mich ziemlich ärgert. Noch zwei Versuche, bin ich überzeugt, und ich wäre einige Meter weitergekommen. Berini macht mir Mut «Das war gut», tröstet er mich. Da bin ich nicht ganz so überzeugt davon und nehme mir vor, es sobald wie möglich, wieder zu probieren.

Am 6. Januar 2020 wurde der Wasserskiclub Basel 60 Jahre alt. Eine Feier dazu gab es bisher, wegen der Corona-Verordnungen nicht. «Wir wollen die Jubiläumsfeier am 12. September nachholen, sofern wir die Bewilligung bekommen», hofft der Club-Präsi. Wer Lust hat, diesen Sport einmal auszuprobieren, ist herzlich willkommen. Trainingszeiten sind von April bis Oktober am Montag, Mittwoch und Donnerstag ab 17 Uhr, samstags ab 11 Uhr, jeweils bis Sonnenuntergang. An Sonn- und Feiertagen wird von 14 bis 18 Uhr trainiert.

www.wasserski-basel.ch 

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